Die Geschichte der Kleingärten in Deutschland begann im 19. Jahrhundert, als die Industrialisierung viele Menschen in die Städte zog und soziale Herausforderungen wie Wohnungsnot und Mangelernährung immer sichtbarer wurden. Um diesen Problemen entgegenzuwirken, wurden Armengärten ins Leben gerufen, die es Familien auf gepachtetem Land ermöglichten, Obst und Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen. Kurz darauf folgten Fabrik-, Eisenbahner- und Gärten von Organisationen wie dem Roten Kreuz und der Naturheilbewegung.
Der Name „Schrebergärten“, den wir heute so gut kennen, geht auf Dr. Daniel Gottlob Moritz Schreber zurück. Als Arzt und Hochschullehrer an der Universität Leipzig setzte er sich vor allem mit den gesundheitlichen Problemen von Kindern und Jugendlichen auseinander. Im Jahr 1936 gründete er den ersten Turnverein in Leipzig. Drei Jahre nach seinem Tod (1964) ließ sein Schwiegersohn, Dr. Ernst Innocenz Hauschild, in Leipzig den „Schreberplatz“ anlegen, um die Vision von kindgerechten Spiel- und Turnplätzen zu verwirklichen. Obwohl dieser Platz ursprünglich als Schulverein entstand, benannte man ihn zu Ehren des verstorbenen Schreber, anstatt ihn als Schul- oder Erziehungsverein zu bezeichnen.
Es war dann Heinrich Karl Gesell, der am Rand dieses Platzes kleine Kinderbeete anlegte, um den Kindern das Gärtnern näherzubringen. Doch schnell verloren die Kinder das Interesse an den Beeten – die Eltern griffen ein, nahmen die Hacken und Schaufeln selbst in die Hand. Aus den „Kinderbeeten“ wurden „Familienbeete“, die später in Parzellen unterteilt und umzäunt wurden.
Während und nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Menschen Kleingärten zunehmend als Lebensraum und zur Selbstversorgung. In den 1960er Jahren leisteten Kleingärtner einen entscheidenden Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung. 1976 wurden dann gesetzliche Maßnahmen ergriffen, um das Kleingartenwesen zu fördern.
Im Jahr 1982 entstand die Kleingartenanlage „Bachespe“ im Berliner Stadtbezirk Treptow. Sie war das Ergebnis einer Zusammenarbeit verschiedener Betriebe und spielte eine wichtige Rolle in der Selbstversorgung der Menschen vor Ort.
Überlieferungen zufolge gibt es zwei Geschichten, wie die Bachespe zu ihrem wundersamen Namen gelangte. Die erste Geschichte ist von eher pragmatischer Natur. Der Phantasiename „Bachespe“ setzt sich aus den Namen der verschiedenen Betriebe zusammen: „Ba“ für die Bauakademie, „Che“ für den Chemiehandel und „Spe“ für Spezialfahrzeuge. Eine andere Erzählung jedoch berichtet von der geografischen Inspiration für den Namen. Das Gelände der Kleingartenanlage lag am Auslauf des Plumpengrabens, und die Espe, ein Pionierbaum, der sich schnell auf kargem Boden ansiedelt, war einst weit verbreitet. Die Espe, die für ihre Wandlungsfähigkeit und Anpassung bekannt ist, gab der Bachespe ihren Namen. Und so wurde die Bachespe geboren – ein Name, der wohl passender nicht hätte sein können. Welche der beiden Geschichten nun die schönere ist, sei jedem selbst überlassen.
Doch kehren wir nun zu den Anfängen der Bachespe zurück. Das Gelände, das einst für den Maisanbau genutzt wurde, war in der Gründungszeit der Bachespe überwuchert von Unkraut und Müll. Der Zugang zur Besenbinderstraße war von Wildwuchs und Müll bedeckt, was den tapferen Neugärtnern große Herausforderungen bereitete. Doch sie ließen sich nicht entmutigen. Nach einer ersten Besichtigung organisierten die Mitglieder einen Arbeitseinsatz, bei dem sie mit Hacken, Schaufeln und schwerem Gerät das Land von Unrat befreiten.
Im August 1982 wurden schließlich die Parzellen vergeben. Einige Familien durften ihre Plätze wählen, während andere ausgelost wurden. Die Mitglieder des Vereins standen vor der Herausforderung, ihre Bungalows vor dem Wintereinbruch zu errichten. Während die Gemeinschaftsarbeiten gleichzeitig mit den individuellen Bauvorhaben liefen, organisierte der Vorstand eine Sammelbestellung für Bungalows und sicherte die Finanzierung durch einen Kredit. Doch die Lieferung erfolgte schneller als erwartet und setzte die Bauherren unter zusätzlichen Druck.
Die Bauarbeiten begannen, aber es gab viele Hindernisse. Es mangelte an Genehmigungen, und die Materialbeschaffung gestaltete sich schwierig. Viele Gartenfreunde investierten viel Zeit und Geld in ihre Parzellen, und nach und nach wurden die Bungalows fertiggestellt. Doch es gab Probleme mit der Qualität der Außenwände, und weder Strom noch Wasser waren vorhanden, was die Arbeiten zusätzlich erschwerte. Die Gartenbesitzer bildeten Bedarfsgemeinschaften, um sich gegenseitig zu unterstützen. Trotz dieser anfänglichen Herausforderungen entstanden im Laufe der Zeit Freundschaften und eine starke Solidargemeinschaft unter den Nachbarn.
Doch die Hürden schienen nicht zu enden. Die Toilettensituation war eine weitere große Herausforderung. Ein ehemaliges Vereinsmitglied entwarf ein Toilettenhaus für Damen und Herren, das in Eigenleistung aus Holz gebaut wurde. Auch wenn die Sauberkeit anfangs zu wünschen übrig ließ und viele die Gaststätten aufsuchten, begannen die Bauarbeiten für die Bungalows mit eigenen Toiletten. Doch auch diese waren anfangs nicht funktionstüchtig. Anträge auf einen Anschluss an die zentrale Abwasserentsorgung wurden abgelehnt, und so mussten die Parzellenbesitzer eigene Lösungen finden. Sie besorgten Betonauffangbehälter und organisierten deren Transport.
Im Jahr 1983 informierte der VEB Energiekombinat, dass ein Anschluss ans öffentliche Stromnetz erst nach 1985 möglich sei. Trotz wiederholter Anfragen des Vorstands blieb die Einspeisung unklar. Doch die tapferen Gärtner gaben nicht auf. 1986 wurde eine eigene Wasserversorgung durch einen Tiefbrunnen sichergestellt, und der Stromanschluss kam schließlich 1988, allerdings zunächst nur mit 500 Watt pro Parzelle. Erst 1995 konnte die Spannung auf den benötigten Wert umgestellt werden.
Als die Bachespe schließlich ihre eigenen Rasenwege erhielt, verwandelte sich die Kleingartenanlage in eine grüne Oase. Doch mit der Währungsunion kamen neue Herausforderungen, und die Pachtforderungen stiegen. Auch der Landbedarf für Bauprojekte in Berlin stellte die Anlage auf eine harte Probe. Doch die Mitglieder kämpften weiter und konnten ihre Gemeinschaft und die Kleingartenanlage erhalten. Während die Abfälle bis zur Einführung einer organisierten Abfuhr durch die Abwasserbetriebe in den 1990er Jahren unzulässiger Weise auf Rasenflächen verteilt wurde, wurde im Jahr 2005 wurde schließlich eine Baugenehmigung für die Abwassergruben erteilt, was die Problematik abschloss.
Mit der Zeit kamen regelmäßige Gartenfeste und Gemeinschaftsdienste hinzu. Die Geschichte der Kleingartenanlage Bachespe spiegelte nicht nur die Veränderungen in der Gesellschaft wider, sondern auch den Wandel in der Landwirtschaft der DDR. Vom ersten Kampf um die Pacht bis hin zu den erfolgreichen Bauprojekten, die der Verein meisterte, waren die Mitglieder stets von einem starken Gemeinschaftsgeist und einem tiefen Engagement für ihren Garten begleitet.
Die ursprüngliche Parzellenaufteilung von 56 Parzellen wuchs auf 62, als die Mitgliederversammlung gegen die Fortführung des Vereinsheims neben der Obstbaumwiese stimmte. Die Traditionen setzten sich fort – seit 1990 wird ein Sommerfest gefeiert, bei dem kulinarische Köstlichkeiten vom Grill und Obstbowlen serviert werden. Auch die Kinderfeste erfreuen sich großer Beliebtheit, und viele ehemalige Kinder bringen nun ihre eigenen Kinder mit, die wiederum von den Großeltern begleitet werden.
So wurde die Kleingartenanlage Bachespe über Jahre hinweg zu einem Ort, an dem Freundschaft, Engagement und Liebe zur Natur miteinander verschmolzen. Über die Jahre entstanden prächtige Gärten, in denen Gemüse, Obst und Blumen wuchsen. Die Erinnerungen an die ersten Ernten und die Entwicklung der Gärten sind bis heute lebendig. Heute präsentieren sich die Gärten als komfortable Rückzugsorte mit modernen technischen Geräten und einem starken Fokus auf Umweltschutz.
Und so blüht und gedeiht die Kleingartenanlage Bachespe bis heute, ein wahres Paradies, in dem sich Natur und Gemeinschaft weiterhin vereinen – und sie lebten glücklich und grün bis ans Ende ihrer Tage.
Danksagung
Dieser kurze Auszug beschreib die Entwicklung der Kleingartenanlage „Bachespe“ seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert. Die dem Text zugrundeliegenden Chroniken wurden 2007 in liebevoller und intensiver Arbeit durch die Gartenfreunde Waltraud Käß, Ursula Jurga und Peter Opahle angefertigt. Besonderer Dank gilt auch den Gartenfreunden Fleischer, Strunz, Gerlach, Brumme, Ruttge, Tschuk, Ziesemer, Bartsch, Lasch und Poppek, die mit ihren Erinnerungen und ausgesuchten Fotos viele Fakten und manche Anregung für die Erarbeitung der Chronik gegeben haben. Gedankt sei auch allen ehemaligen und dem amtierenden Vorstandsvorsitzenden, ohne deren selbstlosen Einsatz die Kleingartenanlage heute nicht da stehen würde, wo sie steht: Gerhard Luckner, Peter Kaufhold, Peter Schuld, Manfred Poppek, Arno Schmid, Brigitte Breuer, Catja Krenz, Maximilian Cygan.
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